Kreatives Schreiben

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1. Episode der Tagorianischen Sagenwelt – Ein interstellares Au pair

Mittwoch, 19. September 2012 um 12:33 Uhr von Homepage AG

 

Leise surrend glitt mein Raumschiff an fremden Galaxien und einigen unbewohnten Meteoriten vorbei. Aus den großen Bullaugen, die es nur bei dem Model Astrofly3000 gab, hatte ich eine wunderbare Sicht auf die Sterne und Planeten, die ich dank meines erst kürzlich gemachten Flugscheines nun öfter sehen würde. Ich befand mich auf einer Reise, die auf meinem Planeten ein wichtiger Bestandteil des Lebens war. Jedes Mal, wenn einer von uns alt genug war, um sein eigenes Raumschiff zu fliegen, musste er mit diesem ein ganzes Jahr auf einem anderen Planeten verbringen, um dort Erfahrung zu sammeln. Da mein Heimatplanet Tagoria schon seit Jahrhunderten engen Kontakt zu einer Schule mit ähnlich klingendem Namen auf der Erde pflegte, lenkte ich mein Raumschiff direkt auf diesen Planeten zu. Schon bald erblickte  ich die blaue Kugel in der Ferne, die von mehreren grünen Flecken überzogen war.

Blick aus der Astrofly3000 auf die Tagore-Schule

Blick aus der Astrofly3000 auf die Tagore-Schule

Aufgeregt vernahm ich die Stimme des Navigationsgerätes, welches mir eine baldige Ankunft versprach. Auf der Suche nach einem Landeplatz aktivierte ich sicherheitshalber den Sichtschutz und konnte nun unbesorgt nach einem ausreichend großen Parkplatz suchen. Nachdem ich endlich einen Ort zum Landen gefunden hatte, verließ ich mein Raumschiff. Sofort schlug mir eine Hitzewelle entgegen – war es hier etwa immer so warm? Schließlich betätigte einen kleinen Mechanismus im Schlüssel und ließ mein Gefährt schrumpfen. Ich merkte mir den Parkplatz gut, ehe ich aufgeregt die Gegend in Augenschein nahm. Das Erste was ich sah, waren Autos, die wie auf einem Faden aufgereiht, gegenüber meines Raumschiffes standen. Die Lebewesen hier benutzten also noch immer diese Luftverpester?  Doch entgegen meiner Erwartungen, sahen die Bäume und Pflanzen in der Nähe noch rech gesund aus. Es gab sogar einen kleinen Park in der Nähe!

Um jedoch meinen Anmeldetermin an der Schule nicht zu verpassen, machte ich keinerlei Umwege, sondern folgte genau der Beschreibung, die man mir gegeben hatte. Schließlich bewegte ich mich durch ein blaues, großes Tor und ließ meinen Blick schweifen. Diese Anlage bestand aus 4 Gebäuden, einem Amphitheater und einem prächtigen Garten. Dieser wurde durch ein ausgetrocknetes, steinernes Flussbett getrennt und war an den Uferzonen durch hieroglyphische Mosaike verziert.  Ein leises, beruhigendes Plätschern, das von drei wasserspeienden Kugeln stammte, erregte ebenfalls meine Aufmerksamkeit. Je länger ich mich umsah, desto weniger erinnerte dieser Ort an eine Schule! War ich hier wirklich richtig? Etwas unsicher trat ich durch die Tür des einen Gebäudes und fand glücklicherweise recht schnell das Sekretariat, wo mich eine Frau freundlich empfing. „Du musst ohne Zweifel Luigi sein.“, wurde ich begrüßt, ehe sie mich musterte. Ich tat derweil das Gleiche. Ihre Hautfarbe war, im Gegensatz zu meiner grünen, leicht rosa und zeigte eine gesunde Bräune. Dort wo mein Oberkörper in einen formbaren, anschmiegsamen Unterteil überging, besaß sie zwei Beine. Auf dem Kopf hatte sie anstatt Antennen diese Art Fell, die man auf der Erde Haare nannte.

Auch wenn die äußeren Unterschiede sehr groß waren, hoffte ich doch, dass man sich verstehen würde. Nachdem die gegenseitige Musterung abgeschlossen war, reichte mir die Frau einen Stundenplan und ein grell-oranges T-Shirt, welches ich sogleich überzog. „Und nicht vergessen – demnächst findet das Sportfest statt!“, erinnerte sie mich und entließ mich wieder. Die Hitze im Inneren des Gebäudes trieb mich sogleich wieder nach draußen, wo ich mich auf einer schattigen Bank niederließ und vor mich hin döste. Die ersten Eindrücke von der „Tagore-Schule“ waren so überwältigend gewesen, dass mir zu dem Zeitpunkt das Fehlen meines überaus wichtigen Multifunktionsschlüssels gar nicht aufgefallen war.

~CUC

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